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Handel, Handwerk & Gewerbe
Das Gewerbe - Gestern und Heute
Die gewerbliche Entwicklung nahm ihren Anfang mit dem wichtigsten Handwerker, dem Schmied. Die erste nachweisbare Schmiede stand auf dem bevorzugten Platz vor der Kirche.
Bald baute sich ein solider Handwerkerstamm auf, ohne den eine gesunde Dorfentwicklung nicht denkbar gewesen wäre. In Oberboihingen waren vor allem die Schmiede, Wagner und Küfer, aber auch die Schuster, Maurer, Schneider und Bäcker stark vertreten.
Die Zunft der Weber war Mitte des 18. und 19. Jahrhunderts im Dorf sehr stark vertreten. Dann allerdings nahmen sie stetig ab und verschwanden weil sie dem einsetzenden starken Konkurrenzkampf mit den landauf, landab entstehenden Tuchfabriken nicht mehr standhalten konnten.
Eine außerordentliche Bedeutung und Tradition hatte in der über Jahrhunderte hinweg stark landwirtschaftlich geprägten Gemeinde die Schafhaltung. Oberboihingen war bereits im 19. Jahrhundert und bis etwa 1960 ein Zentrum der Schäferei in der Region, weil es hier zahlreiche Schäferfamilien gab. Die Schafweideverpachtung war noch im letzten Jahrhundert eine der Haupteinnahmequellen der Gemeinde. Die Schafhaltung prägte lange Zeit das Leben vieler Menschen, aber auch das Ortsbild mit einer Reihe von städtbaulich markanten Schäferhöfen. An diese geschichtlichen Wurzeln knüpft der Oberboihinger Schäfermarkt an, der seit 1996 veranstaltet wird.
Ein Wachstum der Gemeinde ist erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen. Die Bevölkerung wuchs von 404 Einwohnern im Jahr 1763 auf 815 im Jahr 1805 an. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die Landwirtschaft, die bis zu diesem Zeitpunkt über Jahrhunderte hinweg der bestimmende Faktor in der Gemeinde war, nicht mehr ausreichende Nahrung für alle bot, so dass sich viele Bewohner einem Handwerk zuwandten. Die wirtschaftliche Lage besserte sich nach dem Bau der Eisenbahnlinie Plochingen – Reutlingen im Jahr 1859, da viele Einwohner in den umliegenden Städten und Gemeinden gute Verdienstmöglichkeiten fanden. Die Industrialisierung in Oberboihingen setzte erst verhältnismäßig spät, etwa Mitte der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts, ein.
Nach dem durch zwei Weltkriege, Inflation und Wirtschaftskrise bedingten wirtschaftlichen Stillstand in der ersten Hälfte des Jahrhunderts siedelten sich nach 1945 mit der Firma Adolf Stattmann, Robert Hildebrand GmbH, Wilhelm Vogel, Firma Rössler, Metallwarenfabrik Gustav Wahler sowie den Firmen Hermann Schaaf und Karl Schaaf einige größere Gewerbebetriebe an.
Die Gemeinde bemühte sich durch die Erschließung des Gewerbegebiets „Hinter der Burg/Gräben/Öhmdwiesen“ mit Erfolg um die Ansiedlung leistungsstarker Gewerbebetriebe.
Wirtschaftliche Struktur
Die ehemals stark landwirtschaftlich geprägte Gemeinde entwickelte sich aufgrund ihrer Lage an der Entwicklungsachse Plochingen, Nürtingen, Tübingen zu einer Arbeitwohn- und Industriegemeinde. Sie ist somit Teil des stark industrialisierten und dichtbesiedelten Ballungsraums Mittlerer Neckar.
Heute gibt es in Oberboihingen 1103 Arbeitsplätze. Davon entfallen 45,7 % auf das produzierende Gewerbe, 25,1 % auf Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie 29,1 % auf den Dienstleistungssektor. Als Berufseinpendler kommen nach Oberboihingen 829 Personen, 1919 Oberboihinger müssen zur Arbeit auspendeln.
Für die Auspendler ist die verkehrsgünstige Lage Oberboihingens sehr bedeutsam. Die Gemeinde ist über die L 1250 an die ca. 4. km entfernten Anschlüsse der Autobahn A 8 sowie die B 313 und die Eisenbahnlinie Stuttgart-Tübingen mit einem Haltepunkt an das überörtliche Verkehrsnetz angeschlossen. Die Ortsdurchfahrt der Landesstraße wurde 1969 ausgebaut.
Neben dem verarbeitenden Gewerbe mit insgessamt über 600 Arbeitsplätze im Bereich der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus und der Elektrotechnik sind die handwerklichen Betriebe eine tragende Säule im wirtschaftlichen Leben der Gemeinde. Die Zimmerer-, Gipser-, Maler- und Flaschnergeschäfte sowie die Bauunternehmungen, allesamt leistungsstarke Handwerksbetriebe, haben ihren Wirkungskreis weit über Oberboihingen hinaus.
Die größten Arbeitgeber sind heute die Firma Gustav Wahler GmbH u. Co. KG und die Firma Wilhelm Vogel GmbH.
Die Firma Wahler, die ihren Stammsitz in Esslingen hat, hat in den letzten Jahren den Standort Oberboihingen kräftig ausgebaut. Der Autozulieferer hat ein neues dreigeschossiges Produktions- und Verwaltungsgebäude erstellt und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Mitarbeiter in Esslingen und Oberboihingen ist seit 1997 um rund 300 auf jetzt 700 angewachsen, davon 400 in Oberboihingen. Die Oberboihinger Niederlassung gibt es seit 1967. Hier befindet sich der Hauptteil der Produktion, die komplette Logistik mit Auftragszentrum, Versand und Lager sowie ein kleiner Teil der Verwaltung und der Qualitätssicherung. Groß geworden ist die Firma Wahler mit Thermostaten zur Regelung der Kühlwassertemperatur im Motor. Täglich werden etwa 40 000 dieser Thermostate produziert. Eine zweite Produktgruppe sind Abgasrückführleitungen für Pkw-Dieselmotoren. Die dritte Produktgruppe sind Abgasrückführventile, die dafür sorgen, dass die zurückgeführten Abgase im richtigen Verhältnis mit Frischluft versorgt werden. Zu den Wahler-Kunden zählen alle namhaften Automobil-Hersteller.
Wilhelm Vogel gründete die Firma Wilhelm Vogel KG im September 1947. Im Januar 1965 übernahmen Herr Alfred Uhlmann und Herr Willi Vogel die Geschäftsleitung.
Die Firma Vogel Antriebstechnik fertigt für alle Branchen Kegelradgetriebe, Planetengetriebe, Drehzahlüberlagerungsgetriebe, Getriebekombinationen, Sonderanfertigungen und Zahnräder.

