Blick auf Hummelsche Mühle
Die Hummelsche Mühle – Wo Wasser Geschichte schreibt
Die Mühle: Von zentraler Bedeutung für das tägliche Leben
Eine Mühle hatte in früherer Zeit eine hohe Bedeutung für das tägliche Leben und die Landwirtschaft. Sie lieferte einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelgrundversorgung. So war es auch bei der Unterensinger Mühle, einer Wassermühle.
Das ursprüngliche Mühlrad wurde durch das Neckarwasser in Rotation versetzt, was dann über ein mechanisches System das Mahlwerk in Gang setzte.
Im Strom der Zeit
Das einst typische Mühlrad ist 1961 dem Strom der Zeit gewichen, beziehungsweise einer Francis-Turbine zur Stromerzeugung. Mittels einer Trafostation mit 10.000 Volt Mittelspannung speist die Unterensinger Mühle als Wasserkraftwerk Strom aus grüner Energie ins Netz der EnBW. Somit leistet die historische Gesamtanlage weiterhin einen wichtigen Beitrag für den Lebensalltag.
Heute am Flussufer stehend, lässt sich die immense Kraft des Wassers erahnen. Das Echo der Geschichte prägt die Gegenwart und wirkt in die Zukunft hinein.
„Von alters her befand sich die Unterensinger Mühle im Besitz des Herzogtums Württemberg“, schreibt Gerhard Hergenröder in dem Buch Unterensingen – Geschichte einer Gemeinde. Erstmals urkundlich erwähnt im 15. Jahrhundert, reicht die Entstehung dieser Mühle vermutlich bis vor das Jahr 1389 zurück.
Als Bannmühle war sie einst das wirtschaftliche Herz Unterensingens. Die Dorfbewohner - und die über den Fluss benachbarten Oberboihinger - waren verpflichtet, hier ihr Korn mahlen zu lassen. Der Bann, also der Zwang, bestand bis in 19. Jahrhundert hinein, bis König Wilhelm I. ihn aufhob. „Unter ihm wurde auch die Mühle, die bis dahin immer noch ein Erblehen was, in ein freies Eigentum umgewandelt“, heißt es weiter.
Die Unterensinger Mühle war während ihrer wechselvollen Geschichte so bedeutend, dass ihre Besitzer oft auch das Amt des Bürgermeisters bekleideten. Einer von ihnen, Matthäus Siegle, begründete später eine Unternehmerdynastie, die bis in die Industriegeschichte Württembergs und darüber hinaus in die der BASF hineinreicht.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Mühle mehrfach umgebaut – zuletzt 1853. 1899 ersetzte man die maschinellen Einbauten für stolze 280.000 Mark. Seit 1908 wird sie mit elektrischer Energie versorgt.
Von der Mühle zum internationalen Transportunternehmen
Die Mühle ist heute kein aktiver Produktionsbetrieb mehr, sondern Firmensitz und ein liebevoll erhaltenes Bauwerk, geführt von der Familie Hummel. Das von parkähnlichen Flächen umgebene Anwesen ist ein bedeutendes Kulturdenkmal.
1895 nahm Eduard Hummel, wohnhaft in der Uhlandstraße in Nürtingen, hier seine Arbeit auf und legte damit den Grundstein für die berufliche Entwicklung der Familie Hummel. Sein Enkel Richard erwarb die Mühle 1958 vom vorigen Besitzer, dem Unternehmen Heinrich Otto + Söhne. Mittlerweile befindet sich das Mühlen-Areal in vierter Generation nun in Hummelschem Familienbesitz.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Mehl und Getreide noch mit Pferdekutschen transportiert. Doch mit dem sogenannten „Mühlensterben“ in den 1960er Jahren wurde der Mahlbetrieb eingestellt. Stattdessen entwickelte sich daraus die heutige Spedition Richard Hummel GmbH, die sich zunächst auf den Transport von Mehl, Getreide, Futtermitteln und später auch Industriegütern spezialisiert hat. Heute agiert das Transportunternehmen überregional und international. Geschäftsführer sind die Brüder Richard, Ulrich und Wolfgang Hummel.
Das Wehr – Teil eines ökologischen Konzepts
Eine besondere Rolle für die Funktionsfähigkeit der Mühle spielte das Wehr. Erstmals wurde ein Wehrholzbau an dieser Stelle schriftlich erwähnt. 1868 wurde es unter dem damaligen Müller und Bürgermeister Kottler neu gebaut. 90 Jahre später war es allerdings stark beschädigt, sodass es Richard Hummel in den Jahren 1958 bis 1960 provisorisch instandsetzte. Zu umfangreichen und aufwändigen Sanierungsmaßnahmen kam es Ende der 1990er Jahre.
Bei dem Unterensinger Wehr handelt es sich um ein Stufenwehr mit 170 Meter Länge. Über 1000 Kubikmeter Beton wurden bei dieser großen Instandsetzung von Fachfirmen verarbeitet, um die Konstruktion und Kernsubstanz aus Gebälk auf Eichenholzpfählen zu sichern. Es wurde so gestaltet, dass es nicht nur den Wasserstand reguliert, sondern auch die ökologische Durchgängigkeit verbessert. Das Absperrbauwerk blockiert den Wasserfluss nicht vollständig, sondern lässt das Wasser in mehreren Stufen über seine Krone fallen.
Das Wehr ist Teil eines größeren ökologischen Konzepts, das den Neckar als Lebensraum stärkt und gleichzeitig technische Anforderungen erfüllt.
Naturfreunde sind willkommen, hier eine Pause einzulegen und die Dynamik des Wassers wahrzunehmen.



